Audivimus Papam!
Technik von Lawo im Sendezentrum des ARD-Hörfunks beim Papstbesuch in Deutschland.
Das Sendezentrum des SWR diente beim Besuch des Papstes in Deutschland als Hörfunk-Schaltanlage für alle ARD-Rundfunkanstalten. Hier wurden die Signale von insgesamt sieben Außenstationen gebündelt. Zusätzlich zu produzierten Beiträgen konnte den ARD-Radiosendern zwei Stereoleitungen angeboten werden: eine Leitung mit Livereportagen und Live-O-Tönen, eine zweite Leitung für Livegespräche mit Rückleitung. Diese Vielfalt an Signalen wurde mit einer vergleichsweise kleinen technischen Lösung gestemmt: mit crystal-Pulten und KS-16-Modulen von Lawo.
Beim Hörfunk haben etwa vierzig ARD-Sender individuelle Wünsche und wollen Interviews, Gespräche und Reportagen zu unterschiedlichen Zeiten senden. Daher wurden beim Papstbesuch Time Slots von je zehn Minuten an die Sender vergeben. Das Sendezentrum schaltete dann die entsprechenden Aufsagerpositionen mit den zugehörigen Rückleitungen zusammen.
Enger Terminplan
Die Vielzahl der Abrufe aus verschiedenen Rundfunkanstalten und die damit verbundenen korrekten Schaltungen der jeweiligen Rückleitung stellten die größte Herausforderung dar, denn das Sendezentrum war Ansprechpartner und Knotenpunkt für die gesamte ARD auf der einen und für alle Produktionsstätten auf der anderen Seite. Dazu mussten der Zeitplan und eventuelle Änderungen immer aktuell vorliegen und die Leitungen zu den Ü-Wagen entsprechend vorbereitet sein.
Die Redakteure erstellten ihre Beiträge ebenfalls im Sendezentrum. Wichtig war dabei, dass ein Redakteur auf verschiedene Audioquellen direkt zugreifen konnte. Das Zusatztastenfeld KS-16 von Lawo bietet hierfür in der BR-Ausführung sechzehn Tasten und zwei VCA-Regler für Lautstärke und Panorama. Es bot die Möglichkeit in Echtzeit Audio-Quellen auszuwählen, zum Beispiel den Weltton oder eine Reportage.
Zusätzlich wurden im Sendezentrum bis zu sechzehn Stereosignale gleichzeitig im Digassystem aufgenommen und gespeichert. Für das Routing auf die Einspieler konnte auf die Matrixfunktionen der Lawo-Hardware zurückgegriffen werden. Der Originalton wurde beim Papstbesuch über das SWR-Fernsehen, bzw. das ZDF oder von N-TV angeliefert. Wie bei der Frauenfußball-WM konnte die Mischung auch im Sendezentrum erstellt werden.
Kristallklarer Klang
Ein Lawo crystal mit acht Fadern wurde in der Sprecherkabine als Produktionspult, Selbstfahrerplatz und Sprecherplatz für die Exklusivleitung genutzt. Das zweite crystal war das Herzstück des Sendezentrums mit zwei Fadern für die Reportageleitung (Sprecher und IS), zwei Fadern für die Gesprächsleitung (Sprecher und Reserve) und vier Fadern für Aufnahme, Vorhören und die Produktion von Beiträgen. Für Aufgaben wie diese sind die crystal-Pulte optimal dimensioniert.
Auf Tastendruck konnte eine Kennung zur Identifikation der jeweiligen Leitung geschaltet werden. Ein Zweikanal-Abhörwahlschalter ermöglichte es, von Stereo auf Mono zu schalten und den linken und den rechten Lautsprecher der Hauptabhöre getrennt mit Signalen zu versorgen. „Logistisch bietet das crystal natürlich enorme Vorteile gegenüber der mc²-Serie oder den Nova-Produkten: es ist schlicht kleiner. Gesucht wurde quasi ein frei programmierbares Sendeabwicklungspult mit Kreuzschienenfunktionalität, Das bieten meiner Meinung nach alle Lawo-Komponenten – in jeder Größe“, erläutert Sascha Schwoll, Toningenieur beim SWR, warum bei dieser Produktion die Wahl auf das Lawo crystal fiel.
Desweiteren lasse sich in einem crystal-Pult eine ganze Funktionskette per Tastendruck aktivieren, zum Beispiel könne der Input einer Quelle verändert werden, ohne die anderen Parameter anzutasten. „Die zentrale Programmierung von Makros geht über die Konfigurationssoftware mit booleschen Funktionen schnell und einfach von der Hand und die Funktionsvielfalt für den Enduser kann immer individuell angepasst werden“, so Schwoll weiter. „Für Übersichtlichkeit sorgen die Farbcodierung der MF-Keys und die große, frei konfigurierbare grafische Darstellung aller DSP-Parameter über das VIS-Tool.“
Multitalent KS-16
Dem SWR stehen momentan bis zu sechs KS-16-Module zur Verfügung, die als Abhörwahlschalter, Kreuzschiene, GPI/O-Steuerung, Kommando- oder Signalanzeige genutzt werden.
Beispielsweise schaltet am Technikarbeitsplatz gleichzeitiges Drücken der Quellen- und Senken-Taste über die AND-Funktion die Leitung, über OR-Funktionen werden andere Schaltungen revidiert. Mit der Text-Prio-Funktion können dynamische Beschriftungen zur Ablesbarkeit der aktiven Schaltung auf der Taste realisiert werden.
Abschließend noch einmal Sascha Schwoll, Toningenieur des SWR, über die Auswahl der Komponenten für diese Aufgabe: „Wichtig ist der konkrete Einsatzbereich. Beim Papstbesuch wurden von den Ü-Wagen meist bereits klanglich aufbereitete Signale angeliefert. Die Möglichkeit, Signale komfortabel zu bearbeiten, ist somit nicht unwichtig, tritt aber gegenüber der Kreuzschiene etwas in den Hintergrund. Diese Funktionalität ist in der geforderten Weise sowohl bei den großen als auch bei den kleinen Lösungen von Lawo vorhanden.“