Stillstand ist keine Option.
Der Eurovision Song Contest in Baku wird mit Technik von Lawo produziert.
Mit dem Song „Standing Still“ wird Roman Lob im Finale des Eurovision Song Contest am 26. Mai 2012 antreten. Für den belgischen TV-Broadcast- und Ü-Wagen-Provider Alfacam ist Stillstand hingegen ein Fremdwort: Fünf Ü-Wagen mit modernster Technik waren zehn Tage lang unterwegs, um aus Baku in bester Qualität zu senden. Und nach diesem Event geht es gleich weiter zur Fußball-EM nach Kiew, dann zu den olympischen Spielen nach London. Für den Ton vertraut Alfacam auf Produkte von Lawo – wie den Router Nova 73HD und die mc²66-Pulte.
Von Belgien ging es zunächst nach Rumänien, dann weiter ans schwarze Meer, nach Georgien und schließlich nach Aserbaidschan und dem Austragungsort des diesjährigen Eurovision Song Contest: der Hauptstadt Baku. Für die weltgrößte Musikshow, deren Einschaltquoten nur noch von großen Sportereignissen übertroffen werden, hat Alfacam fünf Ü-Wagen im Einsatz: vier sind für die Tonmischung und den Showmix und einer als Schaltraum (Master Control Room – MCR) vorgesehen. Dabei produziert ein Ton-Ü-Wagen den Musikmix (Livemusik und Playback), während ein weiterer Ton-Ü-Wagen als Backup mitläuft. Winnie Leyh mischt hier die 5.0 Musikmischung aller Gesangstitel ab. Ein großer Fernseh-Ü-Wagen erstellt den finalen Fernsehmix, der aus den Moderationen, den berühmten Ländereinspielern, der Publikumsatmo, dem Musikmix aus den Ton-Ü-Wagen sowie vielen anderen Signalen besteht. An den Reglern sitzt hier Stefan Ebert. Auch diesem Fernseh-Ü-Wagen ist ein zweiter als Backup beigestellt. Der fünfte Ü-Wagen dient als MCR für die European Broadcasting Union (EBU), um die vielen Leitungen in die übertragenden Länder aufzubauen.
Hohe Klangqualität und einfache Bedienung
Das Audio-Team des ESC 2012 ist vor allem von der Klangqualität des mc²-Pultes überzeugt. Ein Beispiel: Der ESC wird seit Jahren in Dolby Surround produziert, viele Zuspieler sind aber noch in stereo. Für eine konsistente 5.1-Mischung setzt Ebert den Lawo Upmix AMBIT ein: „Verblüffend, wie gut dieser sich im nachfolgenden Downmix nach EBU-Norm anhört. Die sonst üblichen Artefakte solcher Hilfsmittel sind hier fast unhörbar“, erläutert Stefan Ebert.
Die vollredundanten mc²66-Pulte seien aber auch sehr gute Werkzeuge, gerade wenn es um die Bedienung geht: „Wir produzieren hier in Surround und haben deshalb eine riesige Menge an Kanälen. Über die Surround-Fader werden immer sechs Kanäle zusammengefasst und nur bei Bedarf über die Reveal-Funktion entpackt. Bei der großen Menge an Kanälen, die bei dieser Produktion permanent beherrscht werden müssen, ist dieses Werkzeug eine erstklassige Hilfe“, so Norbert Garske, Chief Audio Engineer für den ESC in Baku.
Ein weiteres Schmankerl sei der perfekt arbeitende Kompressor von Lawo, der neben dem normalen Gebrauch auch noch in einer speziellen Anwendung zum Einsatz kommt: Da aus Sicherheitsgründen immer zwei Pro-Tools-Systeme mit je sechzehn Kanälen parallel gestartet werden, liegen diese auch beide auf. Damit eine Umschaltung bei Ausfall des aktiven Pro Tools sofort automatisch vonstatten geht, liegen die Pro-Tools-Systeme auf zwei verlinkten-Fadern. „Wir senken den Pegel des Backup-Pro-Tools mittels eines zum Ducking eingestellten und per Timecode von Pro Tools 1 getriggerten Kompressors komplett ab. Sollte nun das erste Pro Tools kein Audio mehr schicken, öffnet der Compressor automatisch das zweite Pro Tools“, erklärt Garske die Spezialanwendung.
Lawo-Kreuzschiene als Zentrale
Das Audio-Team darf auch ein bisschen Regie führen, denn die Mehrspurmaschinen liefern Timecode, der über die Lawo-Kreuzschiene an fast alle beteiligten Gewerke in der Produktion geschickt wird. Hiermit werden automatisch Lichteinstellungen und Projektionen gestartet, die Pyrotechnik abgefeuert und die Regie weiß jederzeit, an welcher Stelle des Titels sie gerade ist. Dadurch kann garantiert werden, dass die individuellen künstlerischen Vorstellungen für das Gesamterscheinungsbild perfekt abgerufen werden können.
Insgesamt kommen acht Stageboxen von Lawo bei dieser Großveranstaltung zum Einsatz, über 120 Drahtloskanäle werden damit sicher und übersichtlich verschaltet. „Für Alfacam ist insbesondere wichtig, dass man die Zusammenstellung der Stageboxen, die zu einem Mischpult gehören, die DSP-Kapazität und die Konfiguration der Kreuzschiene selbst sehr einfach ändern kann, ohne Snapshots zu verlieren oder den Lawo-Support dafür bemühen zu müssen“, erläutert Garske. Alfacam konnte so auch Technik von verschiedenen Ü-Wagen und von Audio Broadcast Services gemietete DSP-Karten in einer neuen Konfiguration für diesen Anlass zusammenstellen und selbstständig konfigurieren. „Diese Kapazität, Flexibilität und unbedingte Ausfallsicherheit bieten nur die Lawo- Routing-Systeme“, so Garske abschließend.
Bild: Stefan Ebert am mc²66 im Audio Control Room des Alfacam Fernseh-Ü-Wagens
